Wir sind zurück, um uns abzumelden.

1490633Im Januar kündigten wir eine zunächst unbestimmte Pause an, nun melden wir uns zurück. In der Zwischenzeit war es bis auf die Organisation der jährlich-grüßt-das-Murmeltier-Dumpfpfeifen-Aufmärsche in Neubrandenburg und Demmin recht ruhig um uns geworden. In dem in dieser Zeit stattfindenden Reflektionsprozess bisheriger Inhalte und Praxis haben wir erhebliche Schlussfolgerungen für die Zukunft gezogen, die wir in einigen Zeilen erläutern wollen.

Hinter uns…

Mit der Parole „Antifa ist der Kampf ums Ganze“ sind viele unserer Gruppenmitglieder sozialisiert worden und dies war schon früh, ob nun individuell oder kollektiv, die Antriebsfeder politischer Praxis. In der realen Arbeit nahm jedoch die ‚Antifapolitik’, wie sie gegenwärtig auch bundesweit in Form der ‚Feuerwehrpolitik’ kritisiert und reflektiert wird, zunehmend Raum und Zeit innerhalb unserer Gruppe ein. Mehr, als den meisten lieb war. Der „Kampf ums Ganze“ wurde zur Randnotiz. Die stringente Berücksichtigung aller Sphären – die Klassen- und Besitzverhältnisse, die realen Kämpfe gegen Ausbeutung und Unterdrückung entlang ökonomischer, patriarchaler oder kultureller Machtachsen etc. – ist nicht gelungen. Auch wenn diese zwar diskutiert wurden, waren sie oft eher Lippenbekenntnis, als dass sie Eingang in Praxis und Inhalte fanden.

Unsere Aktionen sind im Laufe der Jahre immer häufiger zu einer Praxis der Reaktion statt der gestaltenden Aktion geworden. Wir haben es nicht geschafft die Terrains der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner – sei es die staatliche, repressive Politik, der Feind von Mitte-Rechts bis Ostvorpommern oder die Brutalität der alltäglichen Schikane am Arbeitsplatz – selbst inhaltlich wie praktisch zu bestimmen und zu gestalten.

Vor uns…

In unserem Diskussionsprozess entwickelte sich somit ein Bild, was dem vieler anderer Gruppenauflösungen, -neufindungen und –zusammenschlüsse ähnelt. Wir als Antifa Rostock haben uns dabei entschieden, dieses Forum zu schließen. Wir wünschen allen Mitgliedern, wo auch immer sie gerade sind und welche Wege sie in Zukunft gehen, viel Erfolg, Mut und Kraft für ihre Zukunft. Auch bedanken wir uns bei allen, die als Gruppenmitglieder, Genoss_innen und Freund_innen die letzten drei Jahre mit begleitet, gestaltet und sich für die Sache mehr als einmal in die Schusslinie gestellt haben. Fest steht, dass es zukünftige Projekte geben wird. Und fest steht jetzt schon, dass der Abschied der Antifa Rostock die Grundlage für einen Neubeginn ist.

Advertisements
Getaggt mit , , , , , ,
%d Bloggern gefällt das: